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X-11 Diskriminierung jeglicher Form verhindern, Frauen* und sämtlichen Betroffenen Partizipation und Unterstützung gewähren

AntragstellerInnen: Heidelberg gemeinsam mit Karlsruhe-Land, Freiburg, Stuttgart, Rems-Murr, Lörrach

Diskriminierung jeglicher Form verhindern, Frauen* und sämtlichen Betroffenen Partizipation und Unterstützung gewähren

Struktureller Sexismus versteckt sich überall
Sexismus kann sich in mehr oder weniger verbreiteter, expliziter Diskriminierung eines Geschlechts, meist von Frauen* äußern, bspw. wenn Frauen* pausenlos unterbrochen, auf ihr Äußeres reduziert oder sexuell belästigt werden. Aber auch in formellen und informellen Verbandsstrukturen verbirgt sich Sexismus: Man denke etwa an teils extreme Repräsentationsungleichgewichte bei Verbandsveranstaltungen, die leider nicht einmal dem Mitgliederanteil der Frauen* bei den Jusos oder der SPD entsprechen, oder an Hierarchieverhältnisse, die in Veranstaltungen z.T. unbewusst reproduziert werden, beispielsweise indem emotionale Betroffenheit, Care-Arbeit und Moderation Frauen* zugeordnet werden, während prestigeträchtigeres Verhalten wie Expertentum, Diskussionsteilnahme und Leitung als ‚männlich‘ präsentiert wird.
Die Auswirkungen? Frauen* beteiligen sich aufgrund des unsicheren Umfeldes nicht an Diskussionen, im Extremfall schreckt sie das sexistische Klima ab, sodass sie nicht wiederkommen, und somit de facto an der politischen Partizipation gehindert werden. Bei Erfahrungen von Sexismus und verbaler wie körperlicher Belästigung gibt es weder Ansprechpersonen noch Schutzräume, was dazu führt, dass sich Frauen* alleingelassen fühlen, denn im Schutz der Masse bei großen Veranstaltungen gehen solche Vorfälle oft unter.
Von diesen Problemen bilden linke, sich den Feminismus auf die Fahnen schreibende Organisationen keine Ausnahme, auch die Jusos Baden-Württemberg nicht. Wir positionieren uns in aller Deutlichkeit gegen die beiden genannten und alle sonstigen Formen des Sexismus, dessen Bekämpfung ein fundamentales Ziel des gesamten Verbandes sein muss.
Gegenhalten gegen Sexismus und jegliche Diskriminierung
Unterstützungsteams, Geschlechterplena, Schutzräume und Weiterbildung:

Es ist klar, dass zu einer wirkungsvollen Sensibilisierung des Verbandes in Sachen Sexismus zunächst einmal jeder und jede Einzelne aufgefordert ist, sein*ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen und, falls nötig, zu ändern. Die Aufgabe, einen für Frauen* sicheren und Partizipation ermöglichenden sowie generell diskriminierungsfreien Raum herzustellen, darf nicht auf die Betroffenen abgewälzt werden, sondern alle Amtsträger*innen genauso wie Basismitglieder müssen sich selbst zur Reflexion anhalten. Um diese Reflexionsprozesse anzustoßen sowie von Sexismus betroffenen Frauen* und allen von Diskriminierung Betroffenen als Ansprechpartner*innen beiseite zu stehen, müssen folgende Instrumentarien eingeführt werden:


  • Unterstützungsteams: Sensibilisieren, helfen, schlichten


Die Unterstützungsteams, die bei allen größeren Verbandsveranstaltungen (LDK, LA, Verbandswochenenden, Wir-Kongresse, Neumitgliederseminaren und ähnlichen) zur Verfügung stehen sollen, sind aus mehreren Menschen zusammengesetzt und übernehmen die Rolle von neutralen Vertrauenspersonen. An sie können sich Betroffene von Sexismus, aber auch von Rassismus, Homo- und Transphobie, Mobbing etc. wenden. Die Aufgabe der Teams ist es, in einem möglichst abgeschirmten Verfahren die Betroffenen zu unterstützen, für Sexismus zu sensibilisieren und Konflikte zu lösen. Beschuldigungen von Einzelpersonen ist kein Ziel der Teams, sondern der Schutz der Betroffenen hat oberste Priorität. Die Unterstützer*innen sind keine Amtsträger*innen oder auf sonstige Weise, z.B. als Organisator*innen oder Referierende, in den Ablauf der Veranstaltung eingebunden, sodass sie jederzeit ansprechbar sind und kein Machtgefälle zu ihnen besteht. Damit soll verhindert werden, dass Frauen* und andere diskriminierte Personen aus Angst oder Beschämung die erfahrene Diskriminierung verschweigen. Außerdem kann das Unterstützungsteam bezüglich Diskriminierung im politischen Austausch ansprechbar sein und den Landesverband darüber in Kenntnis setzen.
Zu Veranstaltungsbeginn stellt sich das jeweilige Unterstützungsteam vor, dessen Erreichbarkeit während der Veranstaltung durch eine offen einsehbare Handynummer oder einen Stützpunkt gewährleistet sein muss. Details zum Awareness-Konzept der Jusos Baden-Württemberg arbeitet eine Projektgruppe aus, die sich auch mit der Ausbildung zu Unterstützungsteamer*innen beschäftigt. Unterstützungsteams zur Sexismusprävention einzusetzen ist bereits im Juso-Bundesverband sowie in anderen Landesverbänden erfolgreich erprobt und kann unserem Anspruch nur dienlich sein.

  • Geschlechterplena: Diskriminierungsfreie Räume zur Reflexion ermöglichen


Geschlechterplena sind ein weiteres Instrument, um, beim Individuum ansetzend, den Blick für Sexismus zu schärfen und eigenes potenziell diskriminierendes und verletzendes Verhalten zu hinterfragen. In geschlechtergetrennten Gruppen (Männer*, Frauen*, Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen wollen) wird über Sexismus reflektiert. Die nach Geschlecht aufgeteilten Diskussionsforen stellen sicher, dass für Frauen* ein sicheres Klima geschaffen wird, um sich über diskriminierende Praktiken auszutauschen, ohne dass sich Männer* einschalten oder rechtfertigen. Das Ergebnis dieses Austauschs wird im Anschluss dem Verband mitgeteilt, damit die Wünsche der Frauen* in Bezug auf einen sexismusfreien Umgang in der Zukunft berücksichtigt werden. Das Männer*-Plenum soll dazu angehalten werden, im Gespräch das eigene Kommunikationsverhalten zu hinterfragen und, auch durch gegenseitige Anregungen, ein Bewusstsein für diskriminierendes Verhalten zu entwickeln. Geschlechterplena sollten mindestens zweimal im Jahr am Beginn oder in der Mitte von Verbandsveranstaltungen stattfinden.

  • Schutzräume bieten


Auf jeglichen Veranstaltungen müssen mindestens zwei, optimalerweise drei Schutzräume zur Verfügung gestellt werden (Frauen*, Männer*, Menschen, die sich nicht zuordnen). Diese Räume bieten bei Sexismus, Rassismus und jeglichen weiteren Diskriminierungen einen Rückzugsort. Besagte Räume müssen auch bei abendlichen Veranstaltungen gegeben sein.
 

  • Weiterbildung in den Themenbereichen Feminismus und Sexismus


Um Missverständnisse (Feminismus ist Männerhass, etc.), die sowohl in der allgemeinen politischen Öffentlichkeit als auch verbandsintern zuweilen auftreten, aufzuklären, einen eigenen Begriff von Feminismus zu gewinnen sowie der hohen Priorität des Themas gerecht zu werden, ist es nötig, öffentliche und interne Weiterbildungsformate zu organisieren. Frauen*vernetzungstreffen sind zum Zweck des Austauschs und der Frauen*solidarität wichtig und nötig, tragen aber dazu bei, dass feministische Anliegen scheinbar den Frauen* überlassen werden, obwohl diese jeden und jede betreffen. Die Palette an potenziellen Themen ist groß; bspw. sind Equal Pay, Prostitution, Care-Arbeit, Geschlechtervielfalt, Stereotype, inklusive Sprache, Abtreibung, Quoten etc. mögliche abzudeckende Themen. Neben solchen spezifischen Veranstaltungen muss unsere Bildungsarbeit grundsätzlich von einem „lila Faden“ durchzogen werden, denn Feminismus ist für uns ein kein Aktualitäts-, sondern ein Grundsatzthema, das deswegen jederzeit in unsere Seminarstrukturen passt.
Durch ein solches Vorgehen wächst das Wissen und Bewusstsein des Verbandes über Angelegenheiten der Frauengleichstellung; gleichzeitig werden verstärkt Frauen* auf die Jusos aufmerksam, da für sie relevante Fragestellungen behandelt werden.

Beschluss

abgelehnt

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Änderungsanträge zu X-11

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
X-11-22 22 Heidelberg

Ersetze Z. 22: „mit diesen Problemen kämpfen viele linke sich den Feminismus auf

die Fahnen schreibende Organisationen, auch die JuSos Baden-

Württemberg“

 

X-11-47-58 47-58 Emmendingen

Statt nach Geschlechtern aufgeteilten Diskussionsforen sollten interaktive Workshops zum Thema Sexismus, die gemeinsam von Männern und Frauen besucht werden können, gefördert werden.

Eine Trennung bei einer thematischen Diskussion ist nicht sinnvoll, sondern fördert nur den Zustand der Separation zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen sollten gemeinsam diskutieren können.
X-11-47-58 47-58 Emmendingen

Ersetze Zeile 47 bis 58 durch:

Aus- und Weiterbildung – Workshops zu Vielfalt

Statt von Geschlechtern getrennt aufgeteilte Diskussionen sollen interaktive Workshops zu den Themen Sexismus, Feminismus, Vielfalt und Querfeminismus durchgeführt werden. Natürlich können Gruppen aus didaktischen und/oder thematischen Gruppen auch nach Geschlecht getrennt werden, wenn es die Situation erfordert.
Ziel der Workshops soll es sein, Barrieren abzubauen, das eigene Handeln kritisch zu reflektieren und uns unserer Verantwortung als feministischer Richtungsverband bewusst zu werden.

X-11-55 55 Stuttgart

Ersetze Z55 “die“ bis Z55 “soll“ durch “Die Plena sollen“

X-11-64 64 Heidelberg

Z 64: ersetze „Frauen“ durch „Menschen“ und „Männer“ durch

„Gegenparteien“

X-11-66 66 Heidelberg

Ersetze Z. 66: Wünsche der „Frauen“ durch „Betroffene*“

X-11-67 67 Heidelberg

Ersetze Z. 67: „Männer*-Plenum“ durch „alle Plena“

X-11-73 73 Heidelberg

Ersetze Z.73: „müssen“ durch „sollen“ ersetzen

X-11-82 82 Stuttgart

Füge in Z.82 als zusätzlichen Satz ein:
“Mit Sexismus ist hier sowohl die Diskriminierung eines Geschlechts durch ein anderes, als auch die (Diskriminierung) innerhalb eines Geschlechts gemeint. “

Änderungsantrag zu X-11 erstellen

Um einen Änderungsantrag einreichen zu können, benötigt ihr einen Delegiertenzugang für das Konferenzsystem. Dieser wird vom Landesbüro an die Vorsitzenden der einzelnen Kreisverbände versendet. Zum Anmelden müsst ihr das Widget in der rechten Spalte verwenden.