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X-17 Diskriminierung jeglicher Form verhindern, Frauen* und sämtlichen Betroffenen Partizipation und Unterstützung gewähren

AntragstellerInnen: Rhein-Neckar

Diskriminierung jeglicher Form verhindern, Frauen* und sämtlichen Betroffenen Partizipation und Unterstützung gewähren

Sexismus kann sich in mehr oder weniger verbreiteter, expliziter Diskriminierung eines Geschlechts äußern, bspw. wenn Menschen wegen ihres Geschlechts pausenlos unterbrochen, auf ihr Äußeres reduziert oder sexuell belästigt werden. Aber auch in formellen und informellen Verbandsstrukturen verbirgt sich Sexismus: Man denke etwa an teils extreme Repräsentationsungleichgewichte bei Verbandsveranstaltungen, die leider nicht einmal dem Mitgliederanteil der verschiedenen Geschlechter bei den Jusos oder der SPD entsprechen, oder an Hierarchieverhältnisse, die in Veranstaltungen z.T. unbewusst reproduziert werden, beispielsweise indem emotionale Betroffenheit, Care-Arbeit und Moderation Frauen* zugeordnet werden, während prestigeträchtigeres Verhalten wie Expertentum, Diskussionsteilnahme und Leitung als ‚männlich‘ präsentiert wird. Die Auswirkungen? Menschen, die sich z. B. aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert fühlen, beteiligen sich aufgrund des unsicheren Umfeldes nicht an Diskussionen, im Extremfall schreckt sie das diskriminierende Klima ab, sodass sie nicht wiederkommen, und somit de facto an der politischen Partizipation gehindert werden. Bei Erfahrungen von Sexismus und verbaler wie körperlicher Belästigung gibt es weder Ansprechpersonen noch Schutzräume, was dazu führt, dass Betroffene sich alleingelassen fühlen, denn im Schutz der Masse bei großen Veranstaltungen gehen solche Vorfälle oft unter.

Von diesen Problemen bilden linke, sich den Feminismus auf die Fahnen schreibende Organisationen keine Ausnahme, auch die Jusos Baden-Württemberg nicht. Wir positionieren uns in aller Deutlichkeit gegen die beiden genannten und alle sonstigen Formen des Sexismus, dessen Bekämpfung ein fundamentales Ziel des gesamten Verbandes sein muss.  Gegenhalten gegen Sexismus und jegliche Diskriminierung
 Unterstützungsteams, Geschlechterplena, Schutzräume und Weiterbildung: Es ist klar, dass zu einer wirkungsvollen Sensibilisierung des Verbandes in Sachen Diskriminierung zunächst einmal jeder und jede Einzelne aufgefordert ist, sein*ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen und, falls nötig, zu ändern. Die Aufgabe, einen für Minderheiten sicheren und Partizipation ermöglichenden sowie generell diskriminierungsfreien Raum herzustellen, darf nicht auf die Betroffenen abgewälzt werden, sondern alle Amtsträger*innen genauso wie Basismitglieder müssen sich selbst zur Reflexion anhalten. Um diese Reflexionsprozesse anzustoßen sowie von Diskriminierung Betroffenen als Ansprechpartner*innen beiseite zu stehen, müssen folgende Instrumentarien eingeführt werden:

– Unterstützungsteams: Sensibilisieren, helfen, schlichten

Die Unterstützungsteams, die bei allen größeren Verbandsveranstaltungen (LDK, LA, Verbandswochenenden, Wir-Kongresse, Neumitgliederseminaren und ähnlichen) zur Verfügung stehen sollen, sind aus mehreren Menschen zusammengesetzt und übernehmen die Rolle von neutralen Vertrauenspersonen. An sie können sich Betroffene von Sexismus Rassismus, Homo- und Transphobie, Mobbing etc. wenden. Die Aufgabe der Teams ist es, in einem möglichst abgeschirmten Verfahren die Betroffenen zu unterstützen, für Diskriminierung zu sensibilisieren und Konflikte zu lösen. Beschuldigungen von Einzelpersonen ist kein Ziel der Teams, sondern der Schutz der Betroffenen hat oberste Priorität. Die Unterstützer*innen sind keine Amtsträger*innen oder auf sonstige Weise, z.B. als Organisator*innen oder Referierende, in den Ablauf der Veranstaltung eingebunden, sodass sie jederzeit ansprechbar sind und kein Machtgefälle zu ihnen besteht. Damit soll verhindert werden, dass diskriminierte Personen aus Angst oder Beschämung die erfahrene Diskriminierung verschweigen. Außerdem kann das Unterstützungsteam bezüglich Diskriminierung im politischen Austausch ansprechbar sein und den Landesverband darüber in Kenntnis setzen.  Zu Veranstaltungsbeginn stellt sich das jeweilige Unterstützungsteam vor, dessen Erreichbarkeit während der Veranstaltung durch eine offen einsehbare Handynummer oder einen Stützpunkt gewährleistet sein muss. Details zum Awareness-Konzept der Jusos Baden-Württemberg arbeitet eine Projektgruppe aus, die sich auch mit der Ausbildung zu Unterstützungsteamer*innen beschäftigt. Um die ständige Entwicklung des Unterstützungsteams zu gewährleisten, soll eine Arbeitsgemeinschaft gegründet werden, die die gemachten Erfahrungen regelmäßig reflektiert und auf Grundlage dieser dafür sorgt, das Team optimal auf die Bedürfnisse der Betroffenen abzustimmen. Unterstützungsteams zur Diskriminierungsprävention einzusetzen ist bereits im Juso-Bundesverband sowie in anderen Landesverbänden erfolgreich erprobt und kann unserem Anspruch nur dienlich sein.

– Geschlechterplena: Diskriminierungsfreie Räume zur Reflexion ermöglichen

Geschlechterplena sind ein weiteres Instrument, um, beim Individuum ansetzend, den Blick für gerade Sexismus zu schärfen und eigenes potenziell diskriminierendes und verletzendes Verhalten zu hinterfragen. In geschlechtergetrennten Gruppen (Männer*, Frauen*, Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen wollen) wird über Sexismus reflektiert. Die nach Geschlecht aufgeteilten Diskussionsforen stellen sicher, dass für allen Geschlechtern ein sicheres Klima geschaffen wird, um sich über diskriminierende Praktiken auszutauschen, ohne dass sich Außenstehende einschalten oder rechtfertigen. Das Ergebnis dieses Austauschs wird im Anschluss dem Verband mitgeteilt, damit die Wünsche der jeweiligen Gruppen in Bezug auf einen sexismusfreien Umgang in der Zukunft berücksichtigt werden. Alle Plenen sollen dazu angehalten werden, im Gespräch das eigene Kommunikationsverhalten zu hinterfragen und, auch durch gegenseitige Anregungen, ein Bewusstsein für diskriminierendes Verhalten zu entwickeln. Geschlechterplena sollten mindestens zweimal im Jahr am Beginn oder in der Mitte von Verbandsveranstaltungen stattfinden. – Schutzräume bieten Auf jeglichen Veranstaltungen müssen mindestens zwei, optimalerweise drei Schutzräume zur Verfügung gestellt werden (Frauen*, Männer*, Menschen, die sich nicht zuordnen). Diese Räume bieten bei Sexismus, Rassismus und jeglichen weiteren Diskriminierungen einen Rückzugsort. Besagte Räume müssen auch bei abendlichen Veranstaltungen gegeben sein.
– Weiterbildung in den Themenbereichen Diskriminierung sowie Feminismus und Sexismus 

Um Missverständnisse (Feminismus ist Männerhass, etc.), die sowohl in der allgemeinen politischen Öffentlichkeit als auch verbandsintern zuweilen auftreten, aufzuklären, einen eigenen Begriff von Feminismus sowie anderen Formen der Diskriminierung zu gewinnen sowie der hohen Priorität des Themas gerecht zu werden, ist es nötig, öffentliche und interne Weiterbildungsformate zu organisieren. Die Palette an potenziellen Themen ist groß; bspw. sind rassistische Werbung, Equal Pay, Prostitution, Care-Arbeit, Geschlechtervielfalt, Vorurteile, inklusive Sprache, Abtreibung, Quoten etc. mögliche abzudeckende Themen. Neben solchen spezifischen Veranstaltungen muss unsere Bildungsarbeit grundsätzlich von einem „roten Faden“ durchzogen werden, denn der Kampf gegen Rassismus ist für uns ein kein Aktualitäts-, sondern ein Grundsatzthema, das deswegen jederzeit in unsere Seminarstrukturen passt.
Durch ein solches Vorgehen wächst das Wissen und Bewusstsein des Verbandes über diese Themen; gleichzeitig werden verstärkt solche Menschen auf die Jusos aufmerksam, für die der Kampf gegen Diskriminierung ein wichtiges Thema darstellt, da für sie relevante Fragestellungen behandelt werden.

Begründung:

erfolgt mündlich

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