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W-13 Regulierung von Dach-Hedgefonds und Single-Hedgefonds im Kapitalanlagegesetz; zur Weiterleitung an: SPD-Bundestagsfraktion, SPD-Bundesparteitag

AntragstellerInnen: Ostalb

Regulierung von Dach-Hedgefonds und Single-Hedgefonds im Kapitalanlagegesetz; zur Weiterleitung an: SPD-Bundestagsfraktion, SPD-Bundesparteitag

Wir fordern eine grundlegende Reformierung der Behandlung von verschiedenen Arten von Hedgefonds in der Bundesrepublik Deutschland. Hierbei verfolgen wir das Ziel, Investments immer dann zu ermöglichen, wenn Anleger über die wirtschaftliche Fachkompetenz verfügen, um das Risiko der Investition zu beurteilen, und über eine Vermögenslage verfügen, bei welcher ein Verlust des eingesetzten Kapitals keine beträchtlichen Folgen für die Bestreitung der täglichen Lebenshaltungskosten erwarten lassen. Deshalb fordern neben der Differenzierung zwischen Dach-Hedgefonds und Single-Hedgefonds eine Kategorisierung von Single-Hedgefonds nach der Quantität des Risikos. Dach-Hedgefonds sollen für sämtliche Privatanleger verfügbar sein, und auch die Werbung für Investitionen in Dach-Hedgefonds soll erlaubt sein. Jedoch muss eine Nachschusspflicht von Seiten des Brokers immer ausgeschlossen werden, und Kunden müssen über die Risiken derivativer Finanzprodukte umfassend aufgeklärt werden. Zur Kategorisierung von Single-Hedgefonds fordern wir die Erarbeitung einer Tabelle, die die Risikokomponente anhand des maximal zulässigen Hebels bei Shortsellings sowie des maximal möglichen Grad des Leverages des jeweiligen Single-Hedgefonds quantifiziert. Diese Risikokomponente gibt vor, in welcher Höhe in den Single-Hedgefonds von Anlegern mit einem bestimmten Nettovermögen und einem bestimmten monatlichen Einkommen investiert werden darf. Bei Nichtausschluss der Nachschusspflicht muss zudem nachgewiesen werden, dass Anleger über wirtschaftliche Fachkompetenz verfügen, welche die Bewertung des Risikos ermöglicht. Sämtliche aufgeführte Forderungen sollen sich sowohl auf offene Hedgefonds, als auch auf traded Hedgefonds beziehen. Nur durch eine konsequente Regulierung der Investition in Hedgefonds kann sichergestellt werden, dass Privatanleger nicht auf Grundlage von Versprechen von Fondsgesellschaften ein überproportional hohes Risiko durch ihre Kapitalanlage eingehen und so die Sicherung der Bestreitung der Lebenshaltungskosten riskieren. Wir bekennen uns zu der Möglichkeit der Kapitalanlage auch für Kleinanleger und Menschen mit geringem Einkommen, da sie davon stark profitieren können. Dennoch wollen wir sicherstellen, dass das in Kauf genommene Risiko zum Profil des Anlegers passt und ein Missbrauch durch Fondsgesellschaften effektiv verhindert und sanktioniert wird.

Begründung:

In der aktuell gültigen Fassung des Kapitalanlagegesetzbuches wird zwischen Dach-Hedgefonds als alternativen Investmentfonds (AIF) und Single-Hedgefonds als Spezial-AIFs differenziert. Zunächst einmal ist die Differenzierung zwischen Hedgefonds und herkömmlichen Investmentfonds herauszuheben. Bei herkömmlichen Investmentfonds sind derivative Finanzprodukte, wie beispielsweise Shortselling oder ein Swap, in der Regel vollständig verboten. Hedgefonds hingegen dürfen grundsätzlich mit derivativen Finanzprodukten handeln, und sind nochmals hinsichtlich der Erlaubnis der Ausnutzung des Leverage-Effektes und der Erlaubnis von Shortselling auszudifferenzieren. Derivative Finanzprodukte bringen ein höheres Verlustrisiko mit sich, als herkömmliche Standardwerte, da sie häufig mit Hebel am Kursverlauf des zugrundeliegenden Basiswertes partizipieren, und so ein, ausgeschlossene Nachschusspflicht vorausgesetzt, Totalverlust des investierten Kapitals eintreten kann. Der Leverage-Effekt und Shortselling erhöhen die Chancen auf hohe Kursgewinne exorbitant, erhöhen aber auch das Risiko des Totalverlustes. Unter dem Leverage-Effekt versteht man die Aufnahme von Fremdkapital zur Finanzierung von Investitionen, woraus eine höhere Rendite resultiert, wenn die Rendite der Investition höher ist, als die für das Fremdkapital zu entrichtenden Kapitaldienste. Unter Shortselling versteht man den Leerverkauf von Wertpapieren. Hierfür werden Wertpapiere, die nicht Bestandteil des Fonds sind, geliehen und verkauft. Kurz vor dem Ende der Leihfrist werden die Wertpapiere wieder erworben und dem Entleiher zurückgegeben. Sinkt der Kurs des Wertpapieres, kann der Fonds durch einen Hebel überproportional stark von der Kursentwicklung profitieren. Insbesondere wenn fremdkapitalfinanzierte Leerverkäufe mit Hebel getätigt werden, entsteht ein exorbitant hohes Risiko des Kapitalverlustes. Hedgefonds sind aufgrund des hohen Risikos und der enorm spekulativen Komponente erst seit 2004 in der Bundesrepublik Deutschland zum Handel zugelassen. Das Kapitalanlagegesetzbuch differenziert deshalb zwischen Dach-Hedgefonds nach § 225 KAGG und Single-Hedgefonds nach § 285 KAGG. Dach-Hedgefonds dürfen derivative Finanzprodukte handeln, sind allerdings von einer Ausnutzung des Leverage-Effektes und Shortselling ausgeschlossen. Spezial-Hedgefonds hingegen dürfen Shortsells nutzen und auch Darlehen in beträchtlichem Umfang im Verhältnis zum im Fonds aggregierten Kapitals aufnehmen, um damit zu handeln. Zudem dürfen diese Fonds nur an professionelle und semi-professionelle Anleger vertrieben werden. In der Praxis ist es auf eigene Anfrage leider fast jedem Privatanleger möglich, in hochspekulative Single-Hedgefonds zu investieren.

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