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S-15 Verbot der vorbeugenden Antibiotikabehandlung in der Tierzucht; zur Weiterleitung an: SPD Bundestagsfraktion, SPD Landtagsfraktion, SPD Bundesverband, Juso Bundeskongress

AntragstellerInnen: Calw

Verbot der vorbeugenden Antibiotikabehandlung in der Tierzucht; zur Weiterleitung an: SPD Bundestagsfraktion, SPD Landtagsfraktion, SPD Bundesverband, Juso Bundeskongress

Daher fordern wir Jusos für einen Besserung Tierschutz, der Nahrungsqualität, aber vor allem auch für die Gesundheit aller, die Präventive Nutzung von Antibiotika zu verbieten.

Dabei:

  • Soll dies als globales Problem auf EU-Ebene stattfinden und auf Gipfeltreffen anderen Staaten als Leitmodell angeraten werden.
  • Die Zuwiderhandlung soll hart Sanktioniert werden. So sollen zuwiderhandelnde Landwirte hohe Geldstrafen, der Entzug sämtlicher Subventionierungen oder sogar das Verbot der Berufsausübung drohen.
  • Antibiotikaeinsatz mit Anlass bei Tieren ist von einem geschulten Tierarzt zu verschreiben.
  • Kranke oder auffällige Tiere sind zunächst unter guten Hygienebedingungen in Quarantäne zu stellen. Eine Notschlachtung muss von einem Tierarzt genehmigt werden. Die Notschlachtung schwacher Tiere darf keine kostengünstige Alternative zum Antibiotika werden.
  • Tierzüchter*innen sollen regelmäßige Kontrollen der Tiere sowie Tierprodukte auf Antibiotika sowie multiresistente Erreger auferlegt werden.

 

Begründung:

Nach den USA, China und Brasilien liegt Deutschland auf Platz vier in der Rangliste der Länder die die größten Mengen von Antibiotika in der Viehhaltung verbraucht. Dabei wird siebenmal so viel wie in deutschen Krankenhäusern verbraucht. Bis 2030 ist weltweit sogar mit einer Zunahme um 67% gegenüber dem Wert von 2010 zu rechnen.

Die Antibiotika vor allem aus wirtschaftlichen Gründen eingesetzt um das Wachstum zu beschleunigen und sie präventiv vor Krankheiten zu schützen. Gerade bei Geflügel und in Schweinemastbetrieben werden Antibiotika häufig ohne konkreten Anlass vorbeugend ins Futter gemischt, um Seuchen im Stall zu verhindern. Denn gerade derart eng aufeinander gedrängt, sind die Tiere anfällig gegenüber einer Masseninfektion.

Der Antibiotikamissbrauch in der Tierzucht ermöglicht dadurch auch die Schlachtreife der Tiere auf „gesund“ zu pushen, wo sie wegen der schlechten Haltungsbedingungen dies sonst niemals erreichen würden. Eingepfercht auf engstem Raum sind die Tiere enormem Stress ausgesetzt. Dazu kommt, dass viele Tiere sich am Ende kaum mehr auf den Beinen halten können und in ihren eigenen Exkrementen liegen, wodurch die Infektionsgefahr steigt. Untersuchungen zeigten, im Gegensatz dazu, dass Tiere in weniger großen Betrieben mit mehr Zeit zu wachsen, viel weniger Antibiotika benötigen. Zudem tragen Maßnahmen wie ausgewogenere Tiernahrung anstatt reines Kraftfutter zum schnellen Wachstum, oder bessere Gesundheitskontrollen und Quarantänemaßnahmen weiter dazu bei.

Neben dem katastrophalem Tierschutz birgt diese Antibiotikanutzung aber auch eine sehr große Gesundheitsgefahr für den Menschen. Denn durch den vermehrten Einsatz breitet sich immer mehr die Entstehung Multiresistenter, also gegen mehrere Wirkstoffe unempfindlich gewordene Keime aus. Insbesondere taucht in letzter Zeit vermehrt ein multiresistenter Keim namens MRSA in Krankenhäusern auf, der sich unzweifelhaft in Tierställen entwickelt hat. Diese multiresistenten Staphylokokken (Staph. aureus) sind in Krankenhäusern gefürchtete Risikokeime, welche jährlich mehrere Tausend Opfer einfordert. Bei der Suche danach, woher dieser neue Keim stammt wurde das Erbgut von verschiedenen Staphylokokken untersucht. Dabei kam man zum Ergebnis, dass die Bakterien ursprünglich von Menschen stammen und auf Tiere übertragen wurden. Da waren sie jedoch noch nicht multiresistent, aber durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tiernutzung haben die Staphylokokken verschiedene Resistenzen entwickelt. Das wirkt sich noch vor allem auf die Menschen aus, die direkt mit solchen Tieren arbeiten. So tragen 40 Prozent aller Tierärzte, die hauptsächlich Schweinebestände betreuen, MRSA in ihrem Körper. Jedoch gelangen über die Nahrung immer Häufiger Keime aber auch Antibiotika in den Körper, wodurch jeder gefährdet ist. Selbst vegetarier sind nicht sicher, da durch das Düngen mit Tierfäkalien sich beides auch auf den Feldern festsetzt und ins Trinkwasser gelangt.

Auf der Münchener Sicherheitskonferenz hat Bill Gates dieses Jahr wieder die Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2014 aufgegriffen, dass eine Krankheitsepidemie die größte Gefahr für die Menschheit darstellt. Dazu nannte er das sehr treffende Beispiel dass obwohl die beiden Weltkriege als größte Katastrophen des 20 Jahrhunderts gelten die spanische Grippe mit 50 Millionen Opfern in der selben Zeit ein Vielfaches der Opfer des ersten Weltkriegs forderte und ein drittel der Europäische Bevölkerung mit sich nahm. Im selben Atemzug wurde dazu dass bakterielle Infektionskrankheiten künftig durch die globale Zunahme der Resistenzen– wie vor Entdeckung der Antibiotika – wieder vielen Menschen den Tod bringen könnten als Gefahr benannt. Es drohe eine Nach-Antibiotika-Ära. Denn Simple Infektionen und kleinere Verletzungen, die jetzt schon einige Jahrzehnte behandelbar sind, könnten bald wieder tödliche Folgen haben.Viele Operationen und Eingriffe wären ohne wirksame Antibiotika in ihrer jetzigen Form unmöglich. Und immer häufiger aber versagen bei bestimmten Erregern gleich mehrere Substanzklassen. Die Liste der Antibiotika, die – noch – gegen solche multiresistenten Keime wirken, ist kurz. Und neue Antibiotika sind derzeit nicht in Sicht, auch weil für Pharmakonzerne ist die Entwicklung neuer Antibiotika nicht sehr lukrativ ist.

 

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Änderungsanträge zu S-15

Nr Zeile AntragstellerInnen Text Begründung Status
S-15-4-5 4-5 Stuttgart

Streiche Z. 4-5

S-15-6 6 Esslingen

Ergänze in Z. 6 nach Landwirte „und Veterinäre“

S-15-6-7 6-7 Konstanz

Ersetze in Zeilen 6-7 „So sollen zuwiderhandelnde Landwirte hohe Geldstrafen, der Entzug sämtlicher Subventionierungen oder sogar das Verbot der Berufsausübung drohen.“ durch „So sollen zuwiderhandelnde Landwirte hohe Geldstrafen, der Entzug sämtlicher Subventionierungen oder in besonders schweren Fällen sogar das Verbot der Berufsausübung drohen.“

S-15-9-11 9-11 Konstanz

Streiche Zeilen 9-11

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